Perugia

Hallo, ich bin wieder da!

Ein bisschen verspätet kommt heute ein „Reisebericht“ über meinen Aufenthalt in der wunderschönen Stadt Perugia. WARNUNG: dieser Post enthält viele Fotos und noch mehr Gelaber  😉

Foto4133.jpgVor drei Wochen habe ich mit dem Gitarrenensemble einige Tage in Italien verbracht.

Kurz etwas zu uns: wir sind zwölf Spieler im Alter von 11-18 Jahren, davon zehn Jungs und außer mir nur ein anderes Mädchen. Ich bin seit 2012 Mitglied und wir proben jeden Montag unter der Leitung meiner Gitarrenlehrerin, bei der ich auch Einzelunterricht nehme. Am ersten Maiwochenende sind wir beim Deutschen Orchesterwettbewerb in Ulm in der Kategorie C3 (Jugend-Gitarrenensembles) angetreten und haben 21/25 Punkten erzielt. Wir landeten wegen der unglaublichen Konkurrenz zwar „nur“ auf Platz 7, aber laut Wertung ist das „sehr guter Erfolg“ und wir waren auch alle total glücklich. Schließlich haben wir den jüngsten Altersdurchschnitt und die anderen Ensembles waren uns (auch zahlenmäßig) eben einfach überlegen.

Im März waren schon das italienische Gitarrenorchester sowie einige Solisten für ein paar Tage bei uns in Deutschland. Mit ihnen kam jede Menge Verwandschaft, die in einer Jugendherberge untergebracht war. Mein Austauschpartner hieß Gabriele, war ein Junge und 13 Jahre alt. Wir haben uns gut verstanden, auch wenn die Verständigung manchmal schwierig war – er sprach kaum Englisch und ich kann nun mal kein Italienisch.WP_20160505_09_51_13_Pro
Zwei Monate später war es dann also Zeit für den Gegenbesuch. Am Donnerstag, den 5. Mai, trafen wir uns um halb sechs in der Früh an der Musikschule und nachdem alle Koffer und Gitarren im Reisebus verstaut waren, ging es los. Die Fahrt dauerte ca. 12 Stunden Fahrt und führte uns quer über die Schweizer Alpen (Pause in Heidiland!!). Um halb acht kamen wir voll freudiger Erwartung am Parkplatz in Perugia an.

Dort war… niemand.

Nach zwanzig Minuten Wartezeit und ein paar Telefonaten mit dem Orchesterleiter wurden wir dann nach und nach von unseren Austauschpartnern und ihren Eltern abgeholt. Typisch italienisch! 😀 Da die Familie von Gabriele nicht mit in Deutschland war, kannte ich sie noch nicht. Er hatte zwei Geschwister: Rafaele, 9, und Anna, 3. Seinen Bruder habe ich nicht viel gesehen, aber die Kleine war total süß!! Ich glaube, sie hat mich für etwas beschränkt gehalten, weil ich ihre Sprache nicht beherrschte. Sie hat extra langsam und deutlich geredet, aber das hat bei meinen auf „ciau“ und „gelato“ beschränkte Italienischkenntnissen natürlich auch nicht geholfen… Mir ist erst im Laufe der Tage deutlich geworden, wie sehr diese Sprache Latein ähnelt und habe gemerkt, dass man mit Spanisch ziemlich gut durchkommt. Ein paar italienische Worte habe ich auch gelernt, unter anderem „cuccinella“, Marienkäfer.

WP_20160507_07_55_01_ProMeine Gastfamilie lebte genau genommen nicht in Perugia, sondern in Deruta, das circa eine halbe Stunde Autofahrt entfernt liegt. Sie wohnten in einem Haus, das zwar nur zwei Stockwerke hatte, aber dafür eine sehr große Grundfläche. Ich durfte das gesamte obere Stockwerk benutzen, einschließlich eines riesigen Schlafzimmers, Balkon, Wohnzimmer und Bad.

Um neun Uhr gab es Abendessen: Bohnen, eingelegte Tomaten, Reissalat (mit Thunfisch, dabei bin ich Vegetarierin… war aber kein Problem) und eine umbrische Spezialität, Fladenbrot mit Ziegenkäse und Rucola. Zum Nachtisch hatte meine Gastmutter Obstsalat und eine Art Tiramisu mit Mascarpone und Schokoladenkeksen vorbereitet. Es war sooo lecker!! Um elf Uhr entschuldigte ich mich, weil ich unglaublich müde war. Als ich zum Schlafen nach oben ging, hüpfte Anna noch quietschfidel durchs Haus.

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sehr italienisch ^^

Am Freitag waren einige von uns Deutschen viel zu früh an der Schule, haben stundenland gewartet und im Endeffekt nur eine halbe Stunde geprobt. Über Mittag waren wir in einem kleinen Cafe und haben Sandwiches gegessen und danach machten wir eine Stadttour durch das historische Zentrum. Ein bisschen Hintergrund gefällig?

Perugia liegt in Umbrien, ziemlich „in der Mitte“ von Italien, und hat etwa 166.000 Einwohner. Der Autoverkehr ist dort sehr eingeschränkt worden, sodass die Innenstadt ruhig und friedlich wirkt. Es ist wirklich eine tolle Stadt mit alten Häusern und einem fantastischen Ausblick über die umliegenden Dörfer. Perugia wurde im 6. Jahrhundert v.u.Z. (vor unserer Zeitrechung, das sage ich statt „vor Christus“, weil ich es fairer finde und die Geburt von Jesus ziemlich sicher acht Jahre früher war) von den Etruskern auf einem Hügel gegründet. In der Schlacht von Sentinum verloren jene sie an die Römer, die die 3km lange Stadtmauer erbauten. Als Lucius, der Bruder von Marc Anton, sich im Perusinischen Krieg dahinter verschanzte, wurde Perugia 40 v.u.Z. fast komplett zerstört. Später ließ der römische Kaiser Octavian sie wieder aufbauen.

Hier sieht man ein Bogenbauwerk in der über 2300 Jahre alten Stadtmauer. Dieses Tor ist als „Arco Etrusco“ bekannt. Die Inschrift lautet AUGUSTA PERUSIA. Dahinter folgen noch ein paar andere Fotos, die ich gemacht habe, unter anderem die Aussicht auf Assisi und ein paar antike Bauwerke sowie der bekannte Springbrunnen.

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Zum Abschluss der Stadtführung gingen wir Eisessen in der Gelateria, die unser Tourguide empfohlen hatte. Ehrlich, italienisches Eis ist einfach unschlagbar! Ich hatte dunkle Schokolade und Joghurt 🙂 Um sechs haben wir beim ersten Konzert einen Ausschnitt aus unserem Programm gespielt. Unsere Auftritte waren stets im „Sala dei Notari“, ein großer, prunkvoller Konzertsaal, in den auch eine Menge Zuschauer passten. Später abends trafen wir uns zu mindestens 100 Leute in einer Pizzeria. Als Vorspeise gab es Pommes und danach Pizzen. Wir blieben bis spät abends und ich unterhielt mich mit ein paar jüngeren Italienerinnen.

Samstags hatten wir schon um halb zehn einen Auftritt. Außer uns spielte auch eine Gruppe aus Usbekistan. Die sechs Jungen waren etwas älter als wir und kamen von einer Musikhochschule in Tashkent. Ich kannte kaum eines der Instrumente und der Klang war fremdartig. Ich fand es beeindruckend und spannend zu hören! WP_20160507_12_17_09_ProDie Mittagspause habe ich mit den „Großen“ aus unserem Ensemble verbracht und wir waren in einem Restaurant und – ihr könnt es euch denken – danach im Eiscafe. Das Wetter war einfach traumhaft!
Später gab es ein letztes Konzert, bei dem wir unter anderem mit den Italienern „James Bond“ spielten, original mit Sonnenbrillen 😉

Abends war dann die Abschiedsparty, bei der es vor allem eins gab: Essen. Unglaublich viel davon, und unglaublich lecker: Pizzamuffins, Käsehäppchen, gefülltes Fladenbrot, Spinatquiche, Hackfleischbällchen auf der herzhaften Seite und alle erdenklichen Arten von Pralinen und Kuchen bei den süßen Sachen, darunter auch eine Nutella-Pfannkuchen-Torte, Mandelkekse, Schokolade und ein Herz aus zusammengepressten Cornflakes. Das Buffet wurde mehrmals eröffnet und wieder geschlossen, weil die Gäste sehr unterschiedliche Vorstellungen vom Beginn der Party zu haben schienen, aber das machte nichts – am Ende sind alle satt geworden. Es gab einen DJ und die Usbeken haben auch nochmal gespielt. Die Erwachsenen haben sogar getanzt 😀 Wir sind leider ziemlich früh gegangen und haben noch die Großeltern besucht, bei denen Rafaele und Anna übernachtet haben. Die beiden alten Leute waren total süß und haben mich sofort umarmt und geküsst und versichert, wie hübsch sie mich finden. Von ihnen habe ich auch eine große Schachtel „Baccios“ bekommen, das sind die lokalen Pralinen.

WP_20160508_06_25_40_ProSonntag war dann der tränenreiche Abschied. Mit meinem Austauschpartner hatte ich zwar nicht viel zu tun gehabt, aber seine Familie habe ich wirklich ins Herz geschlossen. Sie haben mich so lieb aufgenommen! Ich habe ihnen angeboten, uns in Deutschland zu besuchen, und sie haben mir versichert, dass ihr Haus mir ebenfalls immer offen steht. Witzig war, dass meine Gasteltern und ich um kurz vor sieben am Treffpunkt waren und ich dachte, wir seien viel zu spät. Der Parkplatz war aber bis auf den Reisebus gähnend leer, obwohl in zehn Minuten die geplante Abfahrt war!! Letztendlich saßen dann um halb acht erst alle im Bus.

Weil es das Wochenende nach Christi Himmelfahrt war und viele Leute verreist waren, standen wir in der Schweiz ewig im Stau. Dann musste der Busfahrer auch noch mitten in den Bergen am Straßenrand Halt machen, weil seine Pause überfällig war und alle Rastplätze voll belegt. Wir hatten für die italienische Sonne gepackt und waren dementsprechend nicht auf die kalte Luft an der Schneegrenze vorbereitet.

WP_20160508_18_35_02_Pro.jpgNaja, das andere Mädchen, die zwei Töchter der Orchesterleiterin und ich haben das Beste draus gemacht und den vorbeifahrenden Autos gewunken. Ein bisschen Freude verbreiten und die Fahrer zum Lächeln bringen 🙂 Bei 100 Leuten, die zurückgewunken haben, hörten wir auf zu zählen. Für die Huper machten wir sogar eine La-Ola-Welle (Fun Fact: ich habe gerade nachgelesen, wie man das schreibt, und der Begriff ist eigentlich so etwas wie HIV-Virus: falsch! „la ola“ bedeutet im Spanischen nämlich „die Welle“. Okay, Nerd Alert vorbei und weiter im Text). Jedenfalls kamen wir dann erst um halb eins in der Nacht an.

Demnach war ich ziemlich übermüdet, als ich in der nächsten Woche zu meinem Praktikum antreten musste, statt die ersten Schulstunden ausfallen zu lassen. Es war trotzdem ziemlich interessant, ich habe im Dezernat für Internationale Angelegenheiten der Universität mitgeholfen 🙂
Dann waren Ferien, in denen ich zwei meiner besten Freundinnen besucht habe und ganz viel Spaß hatte ^^ Ich sage nur Fahrradtouren, Bikinis shoppen, selbstgemachte Pizza, Freibad, Improvisationstheater und gaaaanz viel Eis! In der zweiten Woche habe ich wie bereits angekündigt Bergurlaub mit meiner Lieblingsfamilie gemacht und wir waren auf der Zugspitze und sogar ein bisschen wandern 😉 Ich hoffe, ihr habt die freien Tage und das mehr oder weniger schöne Wetter ebenso genossen!

Nächste Woche bin ich von Freitag bis Sonntag auf einem Vorbereitungsseminar für mein Auslandsjahr in Köln. Dort treffe ich die anderen Schüler, die nach Lateinamerika gehen. Ich bin schon sehr gespannt und freue mich natürlich riesig. Danach berichte ich euch, versprochen! Außerdem habe ich mein Abschiedsbuch gestaltet und die ersten Leute (darunter besagte Freundinnen) reinschreiben lassen. Das Buch stelle ich wahrscheinlich in den nächsten Tagen vor, was meint ihr??

Ganz liebe Sonntagsgrüße

Annika ❤

 

Quelle:
  • wikipedia.com – so einfach ist das. Noch dazu habe ich die Geschichte von Perugia fast wortwörtlich übernommen.
    #sorrynotsorry
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2 Gedanken zu “Perugia

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