Hurrikan Otto

In diesem Post will ich ein wenig Information zu dem tropischen Wirbelsturm geben, der Costa Rica in den letzten Tagen getroffen hat, und besonders allen, die sich Sorgen gemacht haben, bestätigen, dass ich in Sicherheit bin. Zum Ende gibt es ein kleines persönliches Update. Keine Bilder heute, bin zu faul für den Copyright-Prozess, sorry.

Vielleicht habt ihr in den Nachrichten davon mitbekommen, dass diese Woche ein Hurrikan namens Otto über Zentralamerika gefegt ist. Zudem gab es am Donnerstag ein Erdbeben in El Salvador, von dem ich hier auch ein schwaches Zittern bemerkt habe. Allerdings war es kaum spürbar und viele haben nichts mitbekommen. Ich saß gerade auf einem Barhocker an der Küchentheke und dachte zuerst, der Hund würde am Stuhl rütteln, bis mein Gastvater rief „ein Erdbeben!“ und ich gleichzeitig die Nachricht „wir werden alle sterben“ von einem Freund bekam. Küstenbewohner wurden zwar angewiesen, höhere Gebiete aufzusuchen, und es gab eine Tsunamiwarnung, Schaden hat das Erdbeben hier aber nicht angerichtet.

Meine Stadt blieb vom Hurrikan größtenteils verschont. Man merkte allerdings schon etwas: es gab seit Mittwoch durchgängig heftigen Regen und Donnerstagabend stürmte es ganz schön. Außerdem war es für costaricanische Verhältnisse wirklich kalt, auch wenn die Temperaturen im zweistelligen Bereich blieben – die Häuser haben keine Heizungen und sind sehr schlecht isoliert. Deshalb packte ich meine dicken Pullis und die Oma-Wollsocken mit Deutschlandmuster aus.
Schule hatten wir nur Montag und Dienstag, und schon an diesen Tagen wurde zu Mittag suspendiert, weil die Busse nicht fahren – also waren kaum Leute da. Außerdem drehen sich jegliche Neuigkeiten, sei es in Zeitung, Fernsehen oder Internet um den Wirbelsturm Otto. Der sorgte erst in der Provinz Limon an der Karibikküste für heftige Niederschläge , fegte quer durchs Land und richtete schließlich in Upala an der Grenze zu Nicaragua Verwüstung an. Dort ist die Lage deutlich dramatischer, ganze Dörfer sind zerstört, es gibt Tote und Vermisste. Doch die Naturkatastrophe hatte für das ganze Land schwere Folgen: Erdrutsche, Überschwemmungen und gesperrte Straßen. Wenigstens ist der Sturm jetzt vorbeigezogen, Richtung Pazifik.

Auf Facebook ist bei solchen Ereignissen immer die Hölle los, alle kommentieren Gebete und teilen Live-Videos und posten Bilder. Manche berufen sich auf Gottes schützende Hand, schließlich sei Costa Rica ein Anagramm von Cristo aca, und das bedeutet soviel wie „Jesus hier“. Dieses Argument finde ich persönlich nicht sehr überzeugend, aber es stimmt, dass wir insgesamt großes Glück hatten – es hätte sehr viel schlimmer kommen können. Dennoch ist es ein schwarzer Tag für das Land, im wahrsten Sinne des Wortes, wo doch heute auch Black Friday ist und alle Läden unglaubliche Rabatte anbieten. Wir waren eben in der Nachbarstadt Kleidung kaufen, die teilweise auf 75% reduziert war. Wo es jetzt ans Aufräumen geht, gibt es viele Hilfsaktionen, die Spenden für die Opfer in betroffene Gebiete bringen. So habe ich auch Reis, Bohnen und Milchpulver gekauft und an einer Sammelstelle abgeliefert.

Hoffentlich kehrt bald alles zur Normalität zurück! Nächste Woche müssen wir erstmal die ganzen Examen nachholen, die verschoben worden sind. Außerdem bin ich gerade in einer etwas schwierigen Situation mit der Familie, aber die Organisation ist informiert und ich werde vorraussichtlich in den nächsten Wochen wechseln können. Auf die Problematik möchte ich hier nicht näher eingehen, es hat einfach nicht funktioniert und ich vermute, die Erwartungen waren von beiden Seiten anders. Bei einem Gespräch mit einer Mitarbeiterin von Intercultura meinte diese zu mir, manchmal stimme die Chemie eben nicht und ein Wechsel sei bestimmt das Beste für mich. Weil ich meine Stadt, das Volleyballteam und die Schule nicht verlassen wollte, habe ich mich hier nach Familien umgehört und habe ein Angebot, dass die Organisation in den folgenden Tagen prüfen wird.

Oh und zum Schluss noch eine gute Nachricht: ich werde tatsächlich die Klassenstufe wechseln können und nächstes Jahr im Abschlussjahrgang weitermachen können.

Eine dicke Umarmung an alle im kalten Deutschland,

Annika

 

Quellen (auch zur weiteren Recherche geeignet!):

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Ein Gedanke zu “Hurrikan Otto

  1. Hallo liebe Annika, wie schön, daß meine warmen Socken doch noch zum Einsatz kommen konnten! Mal wieder danke für den Beitrag, auch hier haben die Medien „Otto“ nicht verschwiegen und selbst in der Sauerländer Presse las ich darüber. Alles Gute für die Suche nach einer neuen Heimat für Dich!!
    Einen schönen 1. Advent (gibts den in Costa Rica auch) wünscht Dir Oma Heidi

    Gefällt 1 Person

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