NICARAGUA

Am Dienstag hatte ich die Hoffnung eigentlich schon aufgegeben, in den freien Tagen um Ostern etwas unternehmen zu können. Die Ticos bleiben meistens zuhause zum Beten und Reflektieren, meine Gastschwester musste für die Uni lernen und meine Mutter hat gearbeitet und gewaschen. Zwei Freundinnen und ich hatten eine Reise nach Nicaragua geplant, aber Intercultura wollte uns die Erlaubnis, das Land zu verlassen, am Freitag nicht mehr ausstellen, weil das Büro schon geschlossen war. Jedenfalls riefen sie mich an, als ich am Dienstag mit Freunden in Zarcero unterwegs war, dass wir spontan doch gehen konnten. Als ich abends nach Hause kam, packte ich meinen Koffer, legte den Reisepass bereit, die Sonnenbrille raus und am nächsten Tag ging es los.

Es war eine organisierte Busreise mit einem Unternehmen namens Valle del Sol. Die Fahrt ging von Cartago aus los, das liegt etwa vier Stunden von meinem Dorf entfernt, und bis zur Grenze im Norden Costa Ricas dauert es ca. 7 Stunden. Ich war mit einer Deutschen und einer Finnin unterwegs. Ich nutzte die Gelegenheit und fuhr mit einem Freund nach Cartago, wo wir die wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt (die Ruinen und die Basilika) besuchten und einen schönen Tag verbrachten. Abends traf ich mich mit den Mädels und wir schafften es nach einiger Verwirrung gerade rechtzeitig zum Bus, der um 10 Uhr abends losfuhr. Man sollte meinen, dass vor Aufregung an Schlaf nicht zu denken war, aber ich war den ganzen Tag gelaufen und ziemlich erschöpft, also verbrachte ich zumindest einige Stunden im Halbschlaf (hier muss man anmerken, dass die Straßen in Costa Rica leider nicht in bester Verfassung sind, was es manchmal etwas unbequem macht).

Zwischen 4 und 5 Uhr morgens kamen wir an der Grenze an. Dort mussten wir bis zum Sonnenaufgang Schlange stehen, denn der Inmigrationsprozess dauerte ewig. Wir bekamen gleich die nicaraguanische Hitze zu spüren und das machte uns mit dem Schlafmangel ziemlich zu schaffen. Aber sobald wir es ins Nachbarland geschafft hatten, war jegliche Müdigkeit vergessen. Der Touristenführer begann von der fremden Kultur zu erzählen und zu beiden Seiten tauchten Vulkane auf.

Unsere erste Station war Granada, wo wir eine Bootstour machten und später durchs Stadtzentrum bummelten. Wir hatten alle Sonnenbrillen und Hut auf, machten Fotos an jeder Ecke und kauften eine Menge Souvenirs. Alles in allem fühlte ich mich seeehr touristisch, aber wir hatten Spaß. Gegen Nachmittag wurde die Hitze fast unerträglich, und so kam es gelegen, dass eine Stadtführung in Pferdekutsche anstand. Danach kamen wir durchgeschwitzt und erschöpft zu unserem Bus zurück und fuhren nach Managua zu unserem Hotel.


Selbiges hieß Holiday Inn Convention Center und war sehr nett, mit Pool und freiem Wifi, was will man mehr  😉 Viel Zeit verbrachten wir dort ohnehin nicht, denn am Freitagmorgen ging es früh wieder los.

Wir frühstückten nicht im Hotel, sondern in einem traditionellen Restaurant. Dort gab es wie in Costa Rica auch Gallo Pinto, Ei und Tortilla, schmeckte aber komplett anders. Nach der ersten Mahlzeit des Tages fuhren wir zu einem Aussichtspunkt und direkt weiter zum Vulkan Masaya, wor wir 30 Minuten hatten, um den Krater zu bestaunen und natürlich wie verrückt Fotos zu machen (alle Welt mit dem Selfiestick…).


Danach gingen wir zu einer Mall, wo leider fast alles geschlossen war – Karfreitag und das katholische Lateinamerika eben. Leckeres Mittagessen haben wir trotzdem gefunden. An diesem Tag hatten wir den Nachmittag im Hotel und ich habe natürlich den Pool ausgenutzt. Abends ging es wieder los ins Stadtzentrum von Managua, wo der Park bunt beleuchtet wird. Dann lernten wir das Nachtleben kennen und gingen tanzen.

Samstag fuhren wir nach Catarina, eine sehr schöne kleine Stadt in der Nähe, und gingen nochmal kräftig Souvenirs shoppen: Armbänder, Handwerk, Magneten, T-Shirts und Süßes. An diesem Tag war es wieder sehr warm. Außerdem sahen wir eine Lagune und einen sehr vollgestopften, aber unglaublich günstigen Markt.

Der nächste Tag war auch schon der letzte unseres Abenteuers. Nach dem typischen Frühstück machten wir uns auf den Rückweg und hielten gegen Mittag an einem Strand namens San Juan del Sur. Dort aßen wir in einem Restaurant fünfzig Meter vom Meer entfernt und genossen die Sonne.


So um 6 Uhr abends kamen wir wieder an die Grenze und dieses Mal ging es glücklicherweise deutlich schneller. Die Route ging einmal quer durch Costa Rica und die Leute stiegen nach und nach aus. Meine deutsche Freundin wurde von einer freundlichen Dame aus unserer Reisegruppe im Auto nach La Fortuna mitgenommen und die Finnin fuhr bis nach Cartago. Ich dagegen hatte das Problem, dass der Bus nirgendwo nah an meiner Stadt vorbeikam. Und wie die Ticos das so machen, wusste bald jeder Passagier von meinem Dilemma und wir suchten kollektiv nach der besten Lösung. Es war dummerweise schon ziemlich spät, sodass meine Gastmutter nicht wollte, dass ich alleine Bus fahre.
Letztendlich meinte eine Frau aus San Jose, die Freundin derjenigen, die meine Freundin nach Hause gebracht hatte, ich könnte bei ihr schlafen. Und nachdem meine Mutter kurz mit ihr telefoniert hatte, war die Sache geklärt. In San Jose kamen wir gegen halb eins nachts an, nahmen zusammen ein Taxi und ich übernachtete bei einer Fremden. Sie war aber echt super lieb, lieh mir das Gästezimmer, ließ mich duschen und machte uns am nächsten Morgen Frühstück. Dann bestand sie darauf, mich zur Bushaltestelle zu bringen und bot an, dass ich wiederkommen könnte, wann immer ich jemanden in San Jose brauchte.

Ich nahm einen Bus direkt nach Zarcero zu meiner Schule und kam mit Koffer, Hut und Shorts pünktlich um Mittag dort an. Letztere wurden mir allerdings zum Verhängnis, denn obwohl ich mir extra die Bluse der Uniform von einer Freundin ausgeliehen hatte und meine Gastmutter Rocio, die praktischerweise Lehrerin an meiner Schule ist, mir die Erlaubnis für eine kurze Hose beantragen wollte, wurde ich von der Schulleitung nach Hause geschickt. Das fand ich dann doch ein bisschen albern, weil ich mit der vorbildlichen Absicht den Unterricht zu besuchen quasi direkt aus Nicaragua gekommen war, aber bitte…

Was ich mitgenommen habe? Die tolle Erfahrung, mit Freunden zu reisen, ungefähr vierhundert Fotos, wundervolle Erinnerungen, eine neue Sonnebrille, nicaraguanischen Slang, ein T-Shirt, weniger Vorurteile gegenüber „Nikas“ (die hier leider einen schlechten Ruf haben), viele Mitbringsel für Freunde und Familie und Shampoo, das dort sehr viel günstiger ist.

Was ich nicht mitgenommen habe? Meinen Schlafanzug. Den habe ich am Morgen der Abreise im Hotel liegen lassen. Aber das war es wert, glaubt mir  😉

Hier noch ein paar Fotos von meinem Ausflug nach Nicaragua. Bis nächstes Mal,

eure Annika  ❤

P.S.: es sind nur noch knapp 9 Wochen bis zu meiner Abreise!


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4 Gedanken zu “NICARAGUA

  1. Hola Anika, me alegra mucho que hayas tenido la oportunidad de visitar mi país, que lástima que sólo fué por poco tiempo, la ciudad de León es muy bella (Ahí estudié mi carrera). Las temperaturas en el norte de el país son más agradables, por ejemplo en Jinotega y Estelí. Estoy segura que te hubiese encantando.Si como tú lo mencionaste Costa Rica es más desarrollado que mi país, eso se debe lamentablemente a la situación politica de Nicaragua; pero poco a poco vamos saliendo adelante 🙂

    Me encantó ver fotos de el Volcan Masaya y San juan de el Sur, son unos de mis lugares favoritos!

    Saludos y que sigas disfrutando tu estadía en Centroamerica.

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    1. Hola! Te lo juro que es demasiado lindo tu pais ❤ Me encanto en serio! Y si que triste, quisiera conocer Leon porque mucha gente me dijo que ahi es hermoso tambien. Si digo que Costa Rica me parece mas moderno no es ninguna critica, solo mi impresion personal jaja. Lo que me gusto muchisimo de Nicaragua es que conservan mas la cultura, hay edificios en estilo colonial o neo clasico y centros antiguos en las ciudades.
      Me alegra mucho que te gustaran las fotos, son lugares magicos. Gracias por tu respuesta amable! Es tan divertido leer comentarios espanoles aqui sabiendo que nadie nos entendera jaja 😉 Por cierto tu hablas Aleman? Parece que has entendido super bien mi articulo!
      Gracias e igualmente espero que disfrutes de tu tiempo en Europa.
      Annika

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      1. Si, yo hablo Alemán. Vivo desde hace 6 años en Reutlingen y estudié en Tübingen 🙂 Siempre estoy pendiente de tu Blog. Me encanta muchísimo como describes tus vivencias e impresiones de la cultura y la vida Latina. Me da envidia de la buena, principalmente cuando veo fotos de la comida, las frutas, Gallo pinto, aguacate hmmm. Aunque no niego me encantan los pasteles aquí. Son deliciosos. a propósito he realizado varias veces la receta de el pastel de manzana de tu Blog:) Es delicioso!! Saludos:)

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